Der Klassiker der traurigen Ravegeschichten. Best of.

Die Nacht ist wie ein dunkles Herz, ich habe es mit nach Hause genommen (i feel so dirty, i will not be confused, here comes christ on crutches)

Der Morgen liegt auf der einen Seite der Stadt und ich bin immer noch da. Ich gehe als letztes, egal wie spät es ist. Ich gehe nicht, weil ich keinen Grund habe. Das ist doch alles. Zu Hause steige ich die Steintreppen hinauf und denke mir, nur noch 10 Tage diese Steintreppen und dann nur noch Holztreppen. Holztreppen erzählen mehr Geschichten als Steintreppen. Holztreppen knarren mit jedem Schritt, Steintreppen sind zwar ausgelaufen, aber kalt. Ein leichtes blau zeichnet sich am Himmel ab als ich die Wohnung betrete. 

Ich wusste warum ich den Whisky kalt stellte bevor ich ging. Ich wusste warum ich das Wasser in die Eiswürfelschale füllte und es in den Eisschrank packte. Ich wusste ich würde nicht mehr denken wollen, wenn ich nach Hause komme. Heute: great Expectations und ach, wieder nichts gewesen. Kein Regen, kein Sturm, kein Hagel. Heute: Donnerstag. Donnerstag halt. Ich mische den Whisky mit abgestandener Coke Zero und fühle mich irgendwie Zero. Ach, dabei gibt es doch keinen Grund. Oder vielleicht doch Hunderte. Vielleicht gar Tausende. Ich weiß es nicht. Ich habe es vergessen.
Ich stehe da, irgendwie in Trümmern. Verreckte Fische und ein Aquarium voller Algen. Diese Spießer. Sie sind so sorgsam sich nicht selber zu vergessen, aber sie lassen ihre Fische verrecken.

Ach, denke ich mir, diese verdammten Spießer. Aber was soll ich machen, sie sind doch glücklich mit ihren Leben. Mit ihren Segeltouren und 40 Stunden Wochen. Ohne diese Spießer könnten wir nicht anders sein. Oder dagegen sein wollen. Ich denke an die Nacht, das rote Licht. Die Sätze und Geschichten. Ich bin dagegen. Gegen alles. Spießer. Disco. Für einen Moment verfluche ich alles. Die ganze Welt. Ich will die Augen schließen und den längsten Schlaf meines Lebens schlafen, aber ich kann nicht. Mein Herz galoppiert wie ein verdammtes gedoptes Rennpferd. Aber nicht wegen irgendwelchen Drogen. Ach, wären es doch die Drogen, dann wüsste ich ja woher es käme. Dann könnte ich mich irgendwie selber beruhigen. Aber nein, die innere Unruhe raubt mir den Atem.

Ich hasse den Morgen. Ich hasse die Nacht. Ich hasse den verpassten Moment. Wenn ich nur eines ändern könnte, dann wären es hin und wieder Momente. Zurückspulen. Noch mal von vorne. Neue Chance bitte. Doch Gott ist gnadenlos und es gibt kein zurück und Momente sind nur einmal. Nie zweimal. Das ist bitter. Es ist unfair. Doch ich bin keine fünf mehr, ich kann mich nicht mehr irgendwo beschweren.

Ach oder kann ich es gar umtauschen? Den Moment? Einen Augenblick bitte, ich habe die Quittung sicher noch irgendwo. Ach, bitte, Kulanz oder so. Ich will es doch nur noch einmal. Dann mache ich es richtig. Dann lasse es ich nicht durch meine Finger gleiten, dieses Ding namens Glück. Nichts zu machen, sagt der Typ an der Information in meinem Kopf. Find Dich damit ab. Du hast es verloren.

Was finden wir, wenn wir uns verlieren? Ich weiß es nicht. Ich weiß es verdammt noch mal nicht. Und ich habe mich wieder verloren. Heute morgen, auf dem Fahrradweg. Hinaus aus der erwachenden Stadt. Andere gehen zur Arbeit und ich komme irgendwie von der Arbeit. Ich war da, mitten drin. Aber es hat nur wehgetan. Am Ende. Ganz plötzlich. Als der Tag erwachte. Aber, manchmal muss es wehtun. Es muss wehtun, damit man weiß, dass man ist. 

Ich suche die Underworld Platte, die wo er vom Wichsen singt. Die wo alles so melancholisch ist. Die, wo ich mich spüren kann. Durch Mark und Bein. Jeden Fitzel meines Körpers. Jeden verdammten Fitzel, damit ich merke dass ich noch bin. Das alles echt ist und nicht unecht. Der Whisky verschlingt die schmelzenden Eiswürfel in sich und die Sonne steht plötzlich wieder am Firmament.

Ein Gitarrenriff schallt durch die Wohnung. Voller Sehnsucht und der elende Hass. Der elende Hass auf mich selbst, weil ich den Moment verpasst habe. Ich wusste warum ich mir sicher war, doch ich habe den Moment aus den Händen gleiten lassen. Ich habe ihn fallen lassen wie Gläser. Gläser die am Boden zerspringen und sich mit dem Dreck der Vergangenheit mischen. Irgendwann weiß man nicht mehr wo oben, oder wo unten ist. Es ist der Tag an dem ich Angst habe, dass mir die Geschichten ausgehen. 

Es ist der Donnerstag, der ein Donnerstag ist. Ein Donnerstag der in einem Freitag endet. Einem Freitagmorgen mit einem Glas Whisky, gemischt mit abgestandener Coke Zero. Ein Freitagmorgen der so voller hübscher Dinge sein könnte. Aber irgendwie hat sich die Geschichte vorhin kurz gewendet. So schnell konnte kein Mensch gucken. Bemerken. Es ging viel zu schnell. Es ging so schnell wie Gläser fallen, Lieben zerbrechen, Menschen sich verlieben und wieder entlieben. Es ist einfach nur ein Moment. Ein Moment.

Ein Moment der einen Inne halten lässt. Man steht da, die Lichter sind ganz grell, die Sonne scheint einem ins Gesicht aber alles ist so unwirklich. Man möchte schreien um sich selber zu spüren. Am Ende muss es weh tun. Dann fühlt man sich endlich wieder selber.

Wie war das noch? Aus Wut kann man soviel schaffen? Wenn ich all die Wut und die Enttäuschung meines Lebens nehmen würde, dann könnte ich vielleicht ein, zwei oder gar drei Welten schaffen. Aber keine davon wäre so wirklich, wie die in der ich lebe. Eine Welt voller Menschen die lieben was sie tun. Die lieben was sie sind. Doch manchmal ist es so schwer. So verdammt schwer.

Die Verantwortung liegt uns schwer im Nacken. Die Verantwortung gegenüber uns selber. Die Verantwortung gegenüber denen, die wir lieben. Und selbst wenn die nicht wissen, dass sie die sind, die wir lieben, tragen wir es in unseren Herzen. Die Liebe ist immer in unseren Herzen. Wir tragen sie mit uns herum. Doch fehlt uns der Mut für den Schritt, verlieren wir alles in einem Augenblick. Das was alles war, kann nichts sein. Wir können es nicht wissen. Wenn wir uns nicht trauen. Da im Morgen. Vor und neben der Tanzfläche. Vor oder nach der Bar. Auf oder neben dem Bürgersteig. Alleine, zu zweit, zu dritt. Wir brauchen mehr Mut denke ich. 

Ich liege da, auf dem Boden. Ich starre auf das Aquarium. Wenigstens ist es noch grün und Algen sind ja auch irgendwie was. Aber, ach, scheiß auf die Fische. Morgen schmeiße ich das Ding aus dem Fenster. Vielleicht wird dann alles gut. Ich schmeiße einfach alles aus dem Fenster und stecke ein Pappfähnchen mit Streifen darauf. Vielleicht ist es dann erträglicher.

Die Blätter an den Bäumen werden gelb, der Sommer geht, der Moment ist verloren. Ach Moment, du verdammter Moment. Ich hasse mich dafür, dass ich ihn verpasst habe. Weil ich ihn nicht sehen konnte. Weil ich ihn verspielt habe. Weil ich nicht glauben wollte, das er wahr war als er war. 
Aus Angst. Und danach war einfach alles zu spät. Und nun sitze ich hier, saufe Whisky und streue Salz in Wunden die so alt sind, dass man ein Teppichmesser suchen muss, um sie wieder aufzuschneiden.

Aber dann tut es noch mal so richtig ordentlich weh. Und das dumme ist: am Ende weiß man immer noch nicht, war es wirklich? Oder war es gar nicht? Momente sind manchmal wie Blinde Kuh spielen. Man erkennt sie nicht.

Momente sind wie Topfschlagen auf Kindergeburtstagen. Manchmal hat man Glück, manchmal nicht. Ich hasse das Glück. Und die Marienkäfer sind auch aus der Küche abgehauen. Ich denke, dass ich nicht mehr denken will. Ich will einfach irgendwann nicht mehr denken können. Ich will einfach das endlich der Moment kommt, auf den ich warte. Aber ich hasse doch das Warten so sehr.

Ich warte auf den Moment. Der Moment, an dem sich die Geschichte endlich dreht. Der Regen kommt und alles rein wäscht. Ein Moment voller Glück. Ein verdammter Moment. Ich lechze nach diesem Moment. Ich kann nicht aufhören auf ihn zu warten.
Dieser Moment war der einzige Grund den ich jemals hatte. Der verdammte Moment. But I feel so dirty. 
Und tief in mir drinnen habe ich so Angst, dass ich ihn verpasst habe. Das wäre das schlimmste: ich warte meine ganzes Leben darauf und dann habe ich es verpasst.

Das ist nicht so wie mit Zügen. Auf dem Bahngleis. Wo man die Treppen hochgehetzt kommt und dann ist er weg, aber es kommt ja der nächste. Vielleicht war es der letzte Zug. Vielleicht fährt er nie wieder. Was mache ich dann? Dann hänge ich für immer an diesem Bahnsteig herum und werde immer und immer wieder nachdenken, wann der Moment war, an dem ich unachtsam war. Der Moment, indem ich den Moment verpasste. 

Die Nacht ist wie ein dunkles Herz, ich habe es mit nach Hause genommen.

Underworld – Dirty Epic

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